Alkoholkonsum Weihnachtszeit

Die Weihnachtszeit ist für viele die schönste Zeit des Jahres. All die Lichter, die Düfte, die Geschenke…. Für Manche ist die Weihnachtszeit aber eine schwierige Zeit. Die Erwartungen an die Zeit des trauten Zusammenseins und der durch die Festivitäten erhöhte Alkoholkonsum stellt für suchtgefährdete und suchtkranke Menschen eine Herausforderung dar. Wie sollen sie mit dieser Herausforderung umgehen? Ein Lösungsweg.

Für die Meisten sind die Feiertage eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Sei es der Besuch der Familie oder bei Freunden, ausgiebige Winterwanderungen oder Shoppingtouren, ein Konzert- oder Kinobesuch, das gemütliche Beisammensein oder das wohlverdiente Alleinsein: Wir verbringen die Feiertage ganz individuell und anders als wir dies das ganze Jahr über tun. Die Zeit der Harmonie und Entspannung ist für manche Menschen – insbesondere für Suchtkranke – aber oft spannungsvoll und eine schwierige Periode.

Die Feiertage – Herausforderung für Suchtkranke.

Für viele Menschen stellen die Feiertage eine Herausforderung dar. Sie sind vielleicht alleine, in schlechter Gesellschaft, deprimiert, in schwierigen Lebenslagen oder anderweitig belastet. Vielleicht fühlen sie sich einsam, haben ihre Familien verloren oder kommen aus dysfunktionalen Familien. Die Erinnerung an Weihnachten in der Kindheit kann schmerzhaft sein. Und trotzdem haben sie – wie viele andere – das Gefühl oder die Sehnsucht, dass an den Feiertagen alles irgendwie «anders», «besser» oder zumindest «besonders» sein sollte. Für Menschen mit Suchtproblemen stellen sich an diesen Tagen zusätzlich andere Fragen und Herausforderungen. Das wohlverdiente «Sich-etwas-Gutes-tun» wird in der Gesellschaft oft mit dem Glas Champagner oder dem Wein vor dem Kamin gleichgesetzt. Zudem wird beim munteren Zusammensein die Stimmung mit Alkohol als noch heiterer erlebt. Die Atmosphäre wird lockerer und man kommt vielleicht mit den Eigenheiten der Familie und Freunden doch etwas besser klar als bei vollkommen klarem Verstand.

Cleane Feiertage – ein lohnenswertes Ziel.

Feiertage, die kommenden Weihnachtstage, ohne Alkohol zu konsumieren? Ohne Substanzen, die entweder beruhigen, aufmuntern oder einfach etwas distanzierter werden lassen? Silvester ohne Technoparty, ohne Pillen oder Koks? Wie soll man mit der Flut aus Emotionen, Gefühlen, Erinnerungen und sozialen Normvorstellungen umgehen, wenn man genau wegen dieser Punkte oft konsumierte? Der Versuch lohnt sich: Das erste Mal Weihnachten ohne Alkohol und/oder das erste Mal Neujahr ohne bewusstseinsverändernde Substanz. Das neue Jahr nüchtern zu beginnen! Das wäre doch einmal eine Idee.

Mut zum Experiment!

Es hilft, nüchterne Festtage als Experiment zu sehen, die eigenen Anforderungen umzudrehen und sich darauf zu freuen: Weihnachten clean! Neujahr clean! Geben Sie sich die Chance, diese Tage bei und mit sich zu erleben. Ungefiltert und ganz ohne bewusstseinsverändernde Stoffe. Vielleicht entdecken Sie auch neue Seiten an sich. Vielleicht mögen Sie Weihnachten ja doch und entdecken Ihre Freude am Dekorieren. Oder Sie lernen, sogar in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Vielleicht probieren Sie ja plötzlich neue Rezepte aus und finden andere Beschäftigungen und Möglichkeiten, die Feiertage lust- und genussvoll zu verbringen. Nur Mut, versuchen Sie es doch einmal. Ganz ohne Kater und andere unerwünschten Nebenwirkungen am nächsten Morgen. Geben Sie sich selbst die Möglichkeit, sich einmal so zu erleben, wie Sie eigentlich wären – ganz ohne etwas «Zusätzliches» zu konsumieren. Oft ist es am Ende kaum so schlimm, wie wir erwarten. Und wenn doch: Sie werden es überleben. Garantiert. Sollte es während dieser Zeit trotzdem schwierig werden, suchen Sie sich Unterstützung bei Menschen die Ihre Abstinenz befürworten.

Günstige Rahmenbedingungen, gute Vorbereitung

Die Rahmenbedingungen für dieses Feiertags-Experiment sind gut: Alles wird etwas ruhiger, die Strassen sind nicht so überfüllt und das Leben wird ganz allgemein etwas langsamer. In der heutigen Zeit haben wir die Möglichkeit, auch an Feiertagen einen «geregelten» Alltag zu verbringen. Die meisten Läden haben offen, Wellnessbereiche sind zugänglich, es gibt Konzerte und ein ausgiebiges Fernsehprogramm. Zudem kann es nützlich sein, bereits im Vorhinein diese Tage zu planen und dazu einen «Plan B» für sich selbst in der Schublade zu haben. Vorbereitung nimmt oft Angst, Druck und Erwartungshaltungen von uns selbst. Nehmen Sie sich für Ihre Aktivitäten Zeit, vielleicht etwas mehr als sonst, fühlen Sie in sich hinein, bleiben Sie bei sich und folgen Sie ihrem inneren Gefühl – machen Sie diese Tage zu Ihren eigenen «Begegnungstagen». Durch einen achtsamen und bewussten Umgang mit sich selbst merken Sie bald was Ihnen gut tut und was nicht. Sollte sich trotzdem ein ungutes Gefühl oder Unsicherheit einschleichen, nehmen Sie mit Personen Kontakt auf, von denen Sie wissen, dass sie Ihre Abstinenz respektieren und Ihnen helfen werden diese zu erhalten.

Sich mit einem Pro-Recovery Umfeld verbinden

Für suchtgefährdete und suchtkranke Personen, die an den Feiertagen ein Gefühl der Einsamkeit beschleicht und Mühe dieser Zeit haben, gibt es verschiedene Möglichkeiten nicht alleine zu sein. Die abstinenzorientierte Selbsthilfegruppe Narcotics Anonymous beispielsweise bietet an Weihnachten und Neujahr seine Meetings stets an. Es ist auch möglich, mit anderen Personen an einer gemeinsamen Weihnachtsfeier teilzunehmen oder substanzfrei ins neue Jahr zu rutschen.

Das Curaneo Team wünscht Ihnen eine ganz schöne Weihnachtszeit, einen guten Rutsch und eine gehörige Portion Mut, Humor und Zuversicht!

Autorin: Dominique Emch, Psychologin