alkohol am arbeitsplatz

Substanzmissbrauch ist in der Schweiz ein weitverbreitetes Phänomen. Viele Süchtige sind nicht randständig, sondern sozial integriert und berufstätig. Wenn sie ihre Sucht nicht selber in den Griff kriegen, empfiehlt sich eine Therapie. Die Versorgung mit Therapieangeboten im Suchtbereich ist in der Schweiz generell sehr gut. Neben zahlreichen ambulanten Angeboten gibt es vielerorts hervorragende stationäre Kliniken. Die Versorgung der Schwerstabhängigen ist heute, vor allem im Vergleich mit dem Ausland, nach wie vor ausgezeichnet. Wir bei Curaneo haben aber festgestellt, dass es für sozial integrierte und berufstätige Personen, bei denen eine ambulante Therapie nichts nützt, wenig Angebote gibt, die mit ihren sozialen Umständen und der Arbeitsstelle gut vereinbar sind. Aus diesem Grund haben wir unser tagesklinisches Angebot ins Leben gerufen. Hier einige Hintergründe dazu:

Alkoholabhängigkeit, Alkoholsucht oder Alkoholismus…

Egal, wie man das Problem nennt, Tatsache ist: in der Schweiz leben gemäss Sucht Schweiz 250’000 bis 300’000 Personen mit einer Alkoholabhängigkeit. Viele dieser Menschen sind arbeitstätig und konsumieren Alkohol oder andere Suchtmittel vor allem in ihrer Freizeit, um unter anderem mit der Arbeitsbelastung umzugehen. Als Hauptgründe für den Konsum werden gemäss einer Studie von 2012 Entspannung, Stress- und Frustabbau, das Einleiten von Schlaf und die euphorisierende Wirkung von Alkohol als Gegengewicht zum Berufsalltag genannt (1). Bei gewissen Berufsgruppen ist Substanzkonsum im Arbeitskontext verbreiteter als bei anderen. So sind Arbeitnehmer, die in der Baubranche oder im Gastgewerbe arbeiten eher gefährdet, ein Alkoholproblem zu entwickeln (2).

Die Zeichen erkennen und handeln

Der Konsum von Alkohol und sogar der Konsum illegaler Substanzen wie Cannabis, Kokain oder synthetischer Partydrogen ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet, er gehört gewissermassen dazu. Doch nicht alle, die Alkohol oder Drogen konsumieren, haben gleich ein Problem, auch dann nicht, wenn der Konsum hin und wieder über das gesunde Mass hinausgeht. Problematisch wird es dann, wenn sich der Konsum häuft und die betroffene Person beim Versuch, den Konsum zu kontrollieren, scheitert. In der Regel sind es nicht die körperlichen gesundheitlichen Probleme, die jemanden dazu bewegen seinen Substanzkonsum zu überdenken, sondern soziale Folgen. Eine Abnahme der sozialen Interaktion, zunehmende Isolation, der Verlust des Führerscheins oder möglicherweise sogar der Verlust der Arbeitsstelle können Betroffene zur Einsicht bringen, dass sie ihren Konsum nicht mehr im Griff haben. Auch Probleme in der Familie werden als häufiger Grund genannt, wieso sich Betroffene Hilfe holen.

Selbstkontrolle, stationäre oder ambulante Therapie?

Wenn sich der Alkohol- oder Drogenkonsum nicht mehr durch eigene Anstrengung kontrollieren lässt, ist es sinnvoll, professionelle Hilfe zu beanspruchen. Die Angebote hierfür sind zahlreich und leicht verfügbar. Dennoch nehmen nur relativ wenige Menschen Hilfe in Anspruch. Die Gründe dafür sind vielfältig. Für viele ist es das Stigma einer Suchterkrankung, die wahrgenommene Selbstverschuldung im Kontext von gesellschaftlich akzeptiertem Konsum, speziell bei Alkohol. Für andere ist es das mangelnde Verständnis von Suchterkrankungen oder der Glaube, dass sich das Problem mit besserer Selbstkontrolle in den Griff bekommen lässt. Wenn aber Kontrollversuche versagen, dann ist es an der Zeit sich professionelle Hilfe zu holen. Oft suchen Betroffene Unterstützung beim Hausarzt, Psychiater oder einer ambulanten Beratungsstelle. Für manche ist dies ausreichend und sie kommen mit den getroffenen Massnahmen zum Erfolg, bekommen ihr Suchtproblem in den Griff. Andere hingegen erreichen mit einer ambulanten Behandlung nicht die Ziele, die sie sich erhoffen. In der Regel wird ihnen dann vom Behandler zu einem stationären Aufenthalt, entweder in einer psychiatrischen Klinik oder einer auf Suchtprobleme spezialisierten Klinik, geraten. Da ein solcher stationärer Aufenthalt aber meist einen grossen, unerwünschten, Einschnitt im Alltag und Berufsleben bedeutet, lehnen viele noch arbeitstätige Personen einen solchen ab. Sie fürchten den Verlust der Arbeitsstelle bei einem mehrmonatigen Klinikaufenthalt. Genau für diese Personen wurde Curaneo geschaffen.

Unsere Botschaft an Menschen, die sich überlegen, ob sie ein Suchtproblem haben, ist einfach: Wenn Sie denken, dass Sie ein Problem mit Drogen oder Alkohol haben könnten, dann trifft dies wahrscheinlich zu. Denn Menschen, die keines haben, fragen sich dies normalerweise nicht.

Autor: Oliver Neubert, Geschäftsführer

 

Quelle:

1. Berlowitz I. Substanzkonsum Im Arbeitskontext in Der Schweiz. Bern, Schweiz; 2012.
2. Fischer B, Telser H, Widmer P, Leukert K. Alkoholbedingte Kosten in Der Schweiz. Olten; 2014.